Innung --> Gustav Hartmann (Der eiserne Gustav) --> Der Eiserne Gustav wird 150

Der Eiserne Gustav wird 150

Am 4. Juni 1859 wurde Gustav Andreas Theodor Hartmann in Magdeburg als Sohn eines Kutschers geboren. Doch nach einer Bäckerlehre zog es den jungen Mann nach der Hauptstadt. In der Königstraße in Wannsee versuchte er sich mit einem Kolonialwarenladen, was aber bald „nicht so erfolgreich“ endete. Mit familiärer finanzieller Unterstützung gründete er mit 26 Jahren am 1. April 1885 das erste Wannseer Fuhrunternehmen. Die „Wannseedroschken“ waren geboren. Als fleißiger selbstfahrender Unternehmer vergrößerte er seinen Betrieb um mehrere Kutschen, unterstützt von seiner Frau Marie. 1900 errichteten sie das Wohnhaus mit Stall und Remise in der Alsenstraße 11. Von der Idee 1927 bis zum Start am 2. April 1928 traf er Vorbereitungen für seine Kutschfahrt nach Paris und zurück. Mit seiner Einfahrt in Paris vor 81 Jahren, am 4. Juni 1928 machte der 69-Jährige sich selbst ein Geburtstagsgeschenk und wurde von der Pariser Bevölkerung begeistert gefeiert und geehrt, wie es ihm schon auf der ganzen Hinreise geschah. Am 12. September 1928 durchfuhr er mit seinem Gaul Grasmus das Brandenburger Tor, kaum vorwärts kommend inmitten der Menschenmassen. Als absolut unpolitischer Mensch trug er „so nebenbei“ zur Deutsch-Französischen Freundschaft bei. In dieser Zeit ging das Gewerbe der Pferdedroschken seinem Ende entgegen.

10 Jahre lebte er noch in Wannsee. Gestorben am 23.Dezember 1938, beigesetzt auf dem Friedhof in Wannsee, erhielt er dort ein Ehrengrab und an seinem Haus in der Alsenstr.11 wurde zu seinem Gedächtnis eine Ehrentafel angebracht. Im Zehlendorfer Heimatmuseum - Clayallee 355 (Zehlendorf Mitte), 14169 Berlin - erinnert nicht nur sein ausgestellter Kutscherrock an sein großes Abenteuer.

Am 20. Juni 2000 erfolgte die Einweihung des Denkmals für den Eisernen Gustav durch den Gustav-Hartmann-Denkmalpflege e. V. auf der Mittelpromenade der Potsdamer Straße an der Potsdamer Brücke in Berlin-Tiergarten. Seit 2003 verleiht der Verein eine Miniatur des Denkmals, den „TAXI-Oscar“ an Persönlichkeiten, die sich um das Taxigewerbe verdient gemacht haben.

Selbst an seinem 150. Geburtstag lebt Gustav noch in den Herzen vieler Taxifahrer weiter. Fast jeder hat einen Lieblingshalteplatz so wie Gustav seinen Bahnhof Wannsee, seit 2000 „Gustav Hartmann-Platz“ genannt. Dort wartete er von früh um 7 bis zum letzten Nachtzug auf seine wohlhabenden Kunden, die er zu ihren Villen am Großen Wannsee kutschierte. War er doch ein Vorbild an Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Stehvermögen. „Steh“vermögen brauchen wir 100 Jahre später auch. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit schätzt die heutige Taxikundschaft ebenso. Gute Dienstleistung für gutes Geld wird heute wie zu Gustavs Zeiten mit Wiederholungsfahrten mit dem selben Taxifahrer honoriert. Selbst in dem flächenmäßig großen Berlin rentiert es sich für uns Taxifahrer, unsere Stammkunden auch nach langen Anfahrten mit pünktlicher Abholung zufrieden zu stellen.

4.Juni 2009